Hyaluronsäure – Filler
Unter Füllmaterialien oder auf Englisch „Filler“ versteht man gelförmige Substanzen, die unter die Haut injiziert werden, um Defekte der Haut, des Unterhautbindegewebes oder des Fettgewebes auszugleichen. Diese Veränderungen können verschiedene Ursachen haben:
· natürliche und/oder durch UV-Lichtverstärkte Hautalterung
· starke Muskelaktivität im Gesicht (Stirnfalten, Nasolabialfalten)
· Fehlstellungen des Gebisses
· Gewebsuntergang nach starken Entzündungsreaktionen der Haut, beispielsweise bei Akne oder bei Menschen mit Erkrankungen des Immunsystems (HIV-AIDS-Patienten, wo es zum Abbau von Fettgewebe vor allem im Wangenbereich kommt)
Hyaluronsäure (HS) ist eine in allen Wirbeltieren in chemisch identischer Form vorkommende Substanz. Auch bestimmte Bakterien wie Streptokokken können HS synthetisieren. Schon in den 1930er Jahren wurde HS erstmals aus dem Glaskörper von Rinderaugen isoliert. Chemisch gesehen ist HS ein Zuckermolekül. Im menschlichen Körper findet sich HS als Grundsubstanz der sogenannten extrazellulären Matrix der Haut, in Gelenken und in den Augen. Der Körper eines Erwachsenen enthält circa 15 g HS, die Hälfte davon befindet sich in der Haut. Der unter natürlichen Bedingungen im menschlichen Körper stattfindende Abbau der HS geschieht auf zwei Arten: zum einen durch ein Enzym mit dem Namen Hyaluronidase, zum anderen durch Sauerstoffradikale (freie Radikale). Vor allem letztere machen sich im Alter verstärkt bemerkbar. Die Halbwertszeit (d. h. jene Zeit, in der die Hälfte einer bestimmten Menge eines Stoffes abgebaut wird) für HS in der Haut beträgt unter normalen Bedingungen 24 Stunden.
Die Aufgaben der HS im Körper sind vielfältig. HS bindet in der Haut Wasser. Die Wasserbindungsfähigkeit beträgt das 1.000-fache des Gewichts der HS. Diese Eigenschaft ist auch für die einzigartigen Fließeigenschaften der HS verantwortlich, die sehr treffend mit dem Ausdruck „viskoelastisch“ beschrieben werden. Die wichtigste Funktion ist wohl die des Aufbaus eines mechanisch belastbaren, dreidimensionalen Netzwerkes zwischen Zellen und Kollagenfasern. Laborexperimente haben gezeigt, dass die HS auch eine stimulierende Wirkung auf Bindegewebszellen (Fibroblasten) hat und deren Teilung und Vermehrung positiv beeinflusst. Außerdem wurde nachgewiesen, dass die Zugabe von HS zu Bindegewebszellen die Produktion von HS fördert. Weiters ist bekannt, dass HS eine wundheilungsfördernde Wirkung hat. Aktuelle Studien haben ergeben, dass es bis zu 13 Wochen nach Injektion mit HS zu einer siebenfach vermehrten Bildung von neuem Kollagen (Prokollagen I) und einer fünffach vermehrten Bildung von Prokollagen III kommt. Außerdem konnte nachgewiesen werden, dass die kollagenproduzierenden Bindegewebszellen nach HS-Injektion eine mehr gestreckte (= aktive) Gestalt annehmen.
Wie eine kürzlich erschienene Publikation zeigt, ist es zur Vermeidung unzufriedenstellender Ergebnisse und Nebenwirkungen von großer Wichtigkeit, dass die behandelnden ÄrztInnen einerseits mit den anatomischen Gegebenheiten der jeweiligen Region und andererseits mit dem verwendeten Füllmaterial und seinen spezifischen Eigenheiten vertraut sind. Präparate mit großer Partikelgröße dürfen beispielsweise nur in tiefe Falten gespritzt werden, weil sie, wenn zu oberflächlich injiziert, zu unerwünschten Nebenwirkungen wie sichtbaren Knoten führen könnten. Eine entsprechende Ausbildung und regelmäßige Fortbildungen sind daher in der ästhetischen Medizin mindestens ebenso wichtig wie in der kurativen Heilkunde.



