Modellierung mit dem Skalpell
Grundprinzip dieser Operationsmethode ist der Einsatz des Skalpells, mit dem der Ohrknorpel an geeigneter Stelle eingeschnitten wird und Helix und Concha voneinander vollständig getrennt werden. Danach wird die Helix in einem Winkel von 90° hinter die Concha positioniert, und die Concha kann bei Bedarf durch Entfernung eines beliebig breiten Streifens auch verschmälert werden.
Zwei wichtige Unterschiede prägen die beiden Operationsmethoden:
Mit formgebenden Nähten wird der Ohrknorpel lediglich verformt, mit dem Skalpell wird er hingegen neu geformt. Weiters wird bei der Fadenmethode der Ohrknorpel fast immer unter Spannung in der neuen Position gehalten, während nach einer Korrektur mit dem Skalpell die operierten Anteile des Ohrknorpels völlig spannungsfrei aneinander liegen (im Speziellen die Helix an der Hinterseite der Concha). Mit der Fadenmethode werden Fehlbildungen abstehender Ohren nicht korrigiert, weil einerseits der Knorpelüberschuss einer zu breiten Concha nicht entfernt wird und andererseits die durch die Eigenelastizität des Ohrknorpels bedingte Tendenz bestehen bleibt, einen stumpfen Anthelixwinkel zu bilden.
Die mit den Nähten erzwungene Positionsänderung täuscht das normale Erscheinungsbild lediglich vor, und es besteht ein relativ großes Risiko, dass der verformte Ohrknorpel wieder in seine ursprüngliche Position zurückkehrt, weil sich die Ankerfäden durch die Persistenz der Knorpelspannung (nicht behobene Eigenelastizität) lösen können. Im Gegensatz dazu kann bei Verwendung eines Skalpells der Knorpel beliebig verändert und vor allem spannungsfrei geformt (modelliert) werden.
Ohrkorrekturen mit dem Skalpell sind chirurgisch anspruchsvoller und zeitintensiver. Ich habe eine Reihe misslungener Ohrkorrekturen operiert, die anderswo mit der Fadentechnik durchgeführt wurden, und habe dabei jedes
Mal die Skalpelltechnik eingesetzt.


